Moral Luck als Testfeld der Metaethik?

6 06 2011

06.10.-07.10 2011
Frankfurt am Main
Panel im Rahmen der Tagung Breaking the Norms
Internationales Graduiertenprogramm
Exzellenzcluster Normative Orders

Wenn wir einen Normbruch tadeln oder normkonformes Handeln loben, dann setzen wir dabei voraus, dass der Akteur in einem bestimmten Sinne für sein Handeln verantwortlich war. Wir schreiben dem Akteur die Handlung nicht nur zu (attributability), sondern gehen auch davon aus, dass dieser Akteur für sein Handeln verantwortlich gemacht werden kann (accountability). In der gegenwärtigen Moralphilosophie, insbesondere infolge der Auseinandersetzung mit dem unter der Bezeichnung „Moral Luck“ diskutierten Problem, wird diese Annahme genauer untersucht und die Frage gestellt, welchen Bedingungen moralische Urteile bezüglich der Bewertung von Personen unterliegen – also: Wann sind wir berechtigt, eine Person für ihr Verhalten zu loben oder zu tadeln?
Moral Luck- Fälle stehen im direkten Widerspruch zu der Annahme, dass wir Personen nur für Dinge verantwortlich machen, die unter ihrer Kontrolle lagen. Infolge von Thomas Nagels Darstellung verschiedener Glücksarten erscheint es sogar fraglich, ob wir überhaupt jemanden verantwortlich machen können, wenn Kontrolle über die Faktoren, die zu Handlung führten, ein Kriterium für Verantwortungszuschreibung ist. Denn Nagels Beispiele legen nahe, dass wir weder in Hinblick auf die Folgen unserer Handlungen (effective luck) noch hinsichtlich der Umstände, denen wir ausgesetzt werden (circumstancial luck) oder der Neigungen, Fähigkeiten und Temperamente, die uns ausmachen (constitutive luck), Kontrolle ausüben. Für die Beurteilung der Bedingungen moralischer Urteile ist der Begriff der Kontrolle sicherlich zentral und es stellt sich die Frage, wie sich dieser Begriff zu kontingenten Aspekten von Handlungen verhält.

In unserem Panel soll diese Frage vor dem Hintergrund metaethischer Theorien untersucht werden. Dabei soll analysiert werden, wie Moral Luck- Fälle zu verstehen sind und insbesondere welchen metaethischen Vorannahmen sie unterliegen. Ziel des Panels ist es, die Problematik der Moral Luck- Fälle für metaethische Überlegungen fruchtbar zu machen und auf diese Weise ein bislang wenig berücksichtigtes Feld für metaethische Auseinandersetzungen erschließen zu können. Die leitende Frage ist also, ob eine Berücksichtigung der Moral Luck- Debatte in metaethischen Diskussionen eventuell helfen könnte, Vor- und Nachteile der verschiedenen Positionen herauszuarbeiten. Welche dieser Positionen wird unseren Intuitionen bezüglich der Moral Luck- Problematik am ehesten gerecht?

Keynote Speakers:
Sabine Döring (Tübingen)
Michael Kühler (Münster)

Abstracts (nicht länger als eine Seite) senden Sie bitte bis zum 15.07.2011 an akochanowicz@hotmail.de. Der Besuch der Tagung ist kostenlos. Um vorherige Anmeldung wird gebeten. Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Quelle: DGPhil

Advertisements

Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: