(Re-)Präsentationen der Arbeitswelt. 10. Erlanger Graduiertenkonferenz

9 06 2011

10. Erlanger Graduiertenkonferenz

(Re-)Präsentationen der Arbeitswelt – (Re-)Presentations of Working Life

Die zehnte internationale und interdisziplinäre Graduiertenkonferenz an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg am 12. und 13. November 2011 gilt der Bestandsaufnahme und Analyse von (Re-)Präsentationen der Arbeitswelt. Hierbei soll an die etablierten wissenschaftlichen Diskussionen zum Thema ‚Arbeit‘ angeknüpft werden, wie sie etwa die Soziologie, Philosophie und Theologie führen. Die Konferenz möchte eine entsprechende kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung vorantreiben. Sie richtet sich daher vor allem an NachwuchswissenschaftlerInnen der Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften, denen sie ein Forum zur Diskussion bieten will.

Angesichts der weitreichenden globalen Veränderungen des Arbeitsmarktes, der Transformation der Wohlfahrtsstaaten und infolge daraus resultierender individueller Verunsicherungen widmen sich seit Mitte der 1990er Jahre Literatur, Theater, bildende Künste und Film wieder verstärkt der Arbeitswelt. Die strammen Fäden der Arbeits- und Lebensverhältnisse und die sich weitenden Maschen im sozialen Sicherungsnetz finden sich immer häufiger in gegenwärtigen Produktionen von Bühne und Leinwand widergespiegelt. Aktuelle Spielpläne sprechen von der offenbar drängenden produktiven Auseinandersetzung mit dieser Thematik und auch von einer Suche nach Alternativen in der Bewertung des Erwerbsprinzips. Zu denken wäre hier zum Beispiel an die Theater- und Performance-Projekte von Rimini Protokoll oder René Pollesch sowie die zunehmende Popularität von globalisierungskritischen Filmen. Die postmoderne Leichtigkeit, mit der Erwerbswelten wahrgenommen und dargestellt wurden, weicht zusehends einem Diskurs, der das Verhältnis von Arbeit und Leben neu gewichtet. Die kulturwissenschaftliche Zuwendung zu zeitgenössischen (Re-)Präsentationen von Arbeit und Arbeitenden steht offenbar noch am Anfang – im Gegensatz zur hohen Dynamik der Arbeitsmärkte.

Der Trend verläuft in den USA und Europa nahezu gleich: Normalarbeitsverhältnisse schwinden, der Niedriglohnsektor wächst, befristete Beschäftigung und Leiharbeit nehmen zu. Während die einen die ‚Deregulierung‘ der Arbeitsmärkte als Chance verstehen, warnen die anderen vor den Folgen einer zunehmenden Prekarisierung. Gefühle der Verunsicherung und Erfahrungen sozialer Unsicherheit verursachen die Angst, ‚schicksalhaft‘ oder in Folge individuellen Versagens durch das Raster der staatlichen Sicherung zu fallen, gehen doch die weitreichenden Veränderungen des Arbeitsmarktes in vielen Ländern mit der Zurücknahme sozialstaatlicher Garantien einher – from welfare to workfare.

Die zehnte Erlanger Graduiertenkonferenz (Re-)Präsentationen der Arbeitswelt richtet sich an Promovierende und Postdocs der Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften, der Politischen Wissenschaft, Soziologie, Geschichte, Philosophie, Pädagogik, Theologie, Kunstgeschichte sowie der Theater- und Medienwissenschaften. Sie lädt Nachwuchswissenschaft-lerInnen dazu ein, eigene Projekte zu präsentieren, die sich im Rahmen folgender Fragestellungen bewegen:

Inwiefern werden in den verschiedenen Künsten und Medien die Grenzen und Fragwürdigkeiten gültiger Diskurse von Arbeit und individueller Selbstvergewisserung ausgelotet? Wie werden Lebensweisen in der Arbeitsgesellschaft und verschiedene kulturelle Kodierungen von Arbeit analysiert? Welche Erwerbswelten existieren, und wie werden diese in den verschiedenen Diskursen über ‚Arbeit‘ (re)präsentiert? Welche subjektiven Handlungsstrategien bestehen, um innerhalb der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen der Arbeitsgesellschaften agieren zu können? Gibt es zentrale Wünsche und Vorstellungen vom Guten Leben, Werte und Mentalitäten, die die Arbeitskultur prägen? Welche Formen von Mangel und Armut charakterisieren das Leben ohne Erwerbstätigkeit und haben längst begonnen, auch das Erwerbsleben zu bestimmen? Warum hat sich die Arbeitsgesellschaft historisch überhaupt durchgesetzt? Und wie sehen Gegenentwürfe und Utopien aus?

Als Plenarvortragende haben bisher zugesagt:

Prof. Dr. Regina Becker-Schmidt (Hannover), Prof. Dr. Irene Dölling (Potsdam), Prof. Dr. Thorsten Unger (Magdeburg)

Es können Beiträge zu folgenden Bereichen eingereicht werden, wobei auch weitere relevante Themenvorschläge willkommen sind:

Inszenierungen von Arbeit in Kunst, Literatur, Film, Fotografie und Theater

Dokumentarische Fotografie und Film

Ethik und Philosophie der Arbeit / Arbeit als Wert

Diskurse über Arbeit in Massenmedien, Wissenschaft etc.

Verhältnis von Kirchen und Religionen zur Arbeit

Soziale Ungleichheit / Armut

Sozialstaat / Verwaltung von Arbeitslosigkeit und Armut / ‚deserving‘ and ‚undeserving‘ poor

Globalisierung und Arbeitsmigration

Arbeitsformen: schöpferische Arbeit / Subsistenzarbeit / Emotionsarbeit / Reproduktionsarbeit

Prostitution / Kinderarbeit / Schattenwirtschaft

Subjektivierung der Arbeit

Employability und Biografie

Familie und Paarbeziehung

Alter und Arbeit

Leiden an und ohne Arbeit

Gesundheit und Arbeit

race / class / gender

Vorurteile und Ressentiments

Die Tagung wird am 12. und 13. November 2011 in Erlangen stattfinden (Tagungssprachen sind Englisch und Deutsch). Sie ist als Plenarkonferenz mit Panelsektionen konzipiert. Für jeden Panelvortrag sind 25 Minuten vorgesehen (12 Min. für den Vortrag und 13 Min. für die Diskussion). Abstracts auf Englisch oder Deutsch mit max. 250 Wörtern können bis zum 15. September 2011 über unsere Website www.gradnet.de eingereicht werden. Ausgewählte Beiträge werden in einem Tagungsband veröffentlicht.

Der Tagungsbeitrag von 25,00€ beinhaltet: Tagungsband der 9. Graduiertenkonferenz „Kritische Perspektiven: ‚Turns‘, Trends und Theorien“, zwei Mittagessen, eine Abendveranstaltung mit kulturellem Rahmenprogramm und eine Führung durch die Ausstellung im Erlanger Stadtmuseum: Die Industrialisierung in Erlangen.

Wir unterstützen Sie gerne bei der Betreuung Ihrer Kinder, während Sie an der Konferenz teilnehmen. Bitte teilen Sie uns den Bedarf bei der Anmeldung mit.

Für weitere Fragen stehen wir jederzeit zur Verfügung unter: info2011@gradnet.de

Das Organisationsteam: Johannes Barthel M.A., Dr. Susanna Brogi, Carolin Freier M.A, Katja Hartosch M.A, Ulf Otten M.A

Quelle: DGPhil

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