Wissenschaftstheorie und Wissenssoziologie

22 10 2011

Tagung der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft für Philosophie 28. und 29.

Oktober 2010 Vertretung des Landes Thüringen Mohrenstraße 64

10117 Berlin

 

 

Es mag an prägenden Relativitätserfahrungen im Vielvölkerstaat oder an den

schwierigen Lebenswegen liegen, die von dort aus zur Zeit der Weltkriege,

der Revolutionen und des Nationalsozialismus in die (zumeist

englischsprachige) Welt gehen: Die führenden Vertreter der Metareflexion

systematischen Wissens im 20. Jahrhundert stammen mehrheitlich aus

Österreich-Ungarn. Repräsentieren Popper, Feyerabend und Lakatos die

philosophische Wissenschaftstheorie, so verdankt die Wissenssoziologie Georg

Lukács wichtige Stichworte und Karl Mannheim ihre Gründung als Disziplin.

Beide Richtungen verbindet das Interesse daran, die Grundlagen geltenden

Wissens selbst rational zu untersuchen; was sie trennt, ist ihr Verhältnis

zu wissenschaftlichen Objektivitätsansprüchen. Während Wissenschaftstheoretiker (überwiegend) anstreben, die Geltung dieser Ansprüche zu sichern, indem sie die Verfahren wissenschaftlicher Entdeckung rekonstruieren, klammern Wissenssoziologen (zumeist) die Geltungsfrage methodisch aus, um nach der Genese und den Funktionen etablierten Wissens zu fragen. Beide Vorgehensweisen stehen einander jedoch nicht unverbunden gegenüber: Wissenschaftstheorie muss auch die soziale Organisation von Wissensproduktion in Betracht ziehen, und sie hat sich in zentralen Debatten, namentlich bei Kuhn und Feyerabend, den Herausforderungen

historisch-kultureller Relativität gestellt; umgekehrt bemühen sich

Wissenssoziologen von Mannheim bis Merton, die Objektivität wissenschaftlicher Erkenntnis bei all seiner Relationalität einzuräumen und womöglich sogar verständlich zu machen. Bis heute fehlt jedoch ein gründlicher oder gar in überzeugenden Ergebnissen belegter Austausch beider Formen epistemischer Meta-Reflexion. Weder die Diskussionen um Hermeneutik und Ideologiekritik in den Sozialwissenschaften noch die aktuellen Ansätze einer Kulturtheorie der Naturwissenschaften konnten den disziplinären Graben überwinden.

 

Die Tagung soll hierfür ausgehend von einer erneuten Diskussion der

Klas-siker im interkulturellen Dialog Ideen entwickeln.

 

http://www.soziologie.uni-jena.de/Arbeitsbereiche/Wissenssoziologie/Veranstaltungen-p-168387.html

Quelle: DGPhil

 

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